Der Beckenboden

Der Beckenboden ist eine etwa handtellergroße und handtellerdicke Muskelschicht, die das kleine Becken nach unten hin abschließt (Als "kleines" Becken bezeichnet man den knöchernen Kreis unterhalb der Beckenschaufeln im Gegensatz zum "großen" Becken, das durch die beiden am Kreuzbein befestigten Beckenschaufeln gebildet wird.). Aufgabe des Beckenbodens ist es, die Körperöffnungen von Harnröhre, Scheide und After geschlossen zu halten sowie die inneren Organe des kleinen Beckens zu stützen.
Das kleine Becken der Frau besitzt einen größeren Durchmesser als das des Mannes, da hier ja bei der Geburt der Kopf des Kindes durchtreten muß. Daher muß der Beckenboden bei der Frau eine wesentlich größere Öffnung abschließen.
Im Detail besteht der Beckenboden nicht nur aus einem Muskel sondern aus mehreren Muskeln, die in 3 Schichten angeordnet sind. Die Muskelfasern verlaufen innerhalb der jeweiligen Schicht relativ parallel, von Schicht zu Schicht sind sie jedoch um 90° gedreht, so daß sie eine gitternetzartige Struktur bilden.

Die äußere Muskelschicht des Beckenbodens verläuft direkt unter der Haut und besteht aus dem U-Muskel, dem Muskelhaltekreuz sowie dem Afterschließmuskel.
Der U-Muskel entspringt an der unteren Innenkante des Schambeines und verläuft "U-förmig" von vorne um die Scheide herum und wieder zurück zum Schambein.
Die Muskeln des Muskelhaltekreuzes entspringen mit zwei Muskelsträngen ebenfalls an der unteren Innenkante des Schambeines und verlaufen von vorne nach hinten, wobei sich die beiden Muskelstränge zwischen Scheide und After überkreuzen (und auch vermischen, was der Muskelschicht zusätzliche Stabilität verleiht) und enden gemeinsam am Kreuzbein. Den Kreuzpunkt der Muskelstränge bezeichnet man auch als zentrales Haltekreuz (Centrum tendinei). Im zentralen Haltekreuz treffen und vermischen sich Muskelfasern aus Muskelhaltekreuz, U-Muskel und Afterschließmuskel
Der Afterschließmuskel besteht aus zwei Bündeln von Ringmuskeln, die die Afteröffnung umschließen.
Hauptaufgabe der äußeren Schicht ist das Öffnen und Schließen der Körperöffnungen.

Die mittlere Muskelschicht des Beckenbodens verläuft von einer Seite des Beckens zur anderen (d.h. im rechten Winkel zur äußeren Muskelschicht) und besteht aus einem Muskelstrang (oberflächlicher, querer Dammmuskel) sowie einer Muskelplatte (tiefer, querer Dammmuskel). Diese Muskelschicht deckt den Beckenausgang im vorderen Bereich zu etwa 3/4 ab, nur der After liegt frei. Fasern sowohl aus dem Muskelstrang als auch aus dem hinteren Anteil der Muskelplatte laufen in den Kreuzpunkt des Muskelhaltekreuzes ein und verbinden somit äußere und mittlere Schicht miteinander.
Hauptaufgabe der mittleren Schicht ist es, bei erhöhtem Druck im Bauchraum (wie er beim Lachen, Husten, Niesen, etc. auftritt) den knöchernen Beckenausgang seitlich zu verengen und dadurch den nach unten gerichteten Druck aufzufangen.

Die innere Muskelschicht des Beckenbodens ist die flächenmäßig größte der drei Schichten. Sie besteht aus einer fächerförmigen Muskelplatte sowie zwei Muskelpaaren.
Die Muskelplatte schließt (mit Ausnahme eines schmalen Spaltes) praktisch das gesamte "kleine" Becken ab. Ihre Fasern entspringen vorne an der Schambeinfuge entlang einer markanten Knochenrille, die den Übergang vom "großen" zum "kleinen" Becken markiert, bis hin zum Darmbeingelenk und laufen nach hinten (also im rechten Winkel zur mittleren und parallel zur äußeren Schicht). Sie bündeln sich zu ihrem Ansatz am Kreuzbein hin, so dass diese Muskelplatte wie ein aufgeklappter Fächer wirkt.
Die Muskelpaare entspringen jeweils am Kreuzbein bzw. ebenfalls an der Knochenrille, die den Übergang vom "großen" zum "kleinen" Becken markiert, und laufen durch Knochenlücken des Beckens zu den Oberschenkelknochen. Diese beiden Muskelpaare helfen sowohl beim seitlichen Verschieben als auch beim Vor- und Rückschwenken des Beckens (Bewegungen, die beim orientalischen Tanz häufig vorkommen).
Die innere Muskelschicht des Beckenbodens trägt und stützt die inneren Organe und hat darüber hinaus eine immense Auswirkung auf die gesamte Körperhaltung, da wir mit dieser Muskelschicht die Stellung des Beckens verändern. Eine angespannte innerste Schicht gibt den Impuls zu einer aufrechten Haltung, ist sie hingegen entspannt, so ist auch die Körperhaltung weicher, runder.

Erst im Zusammenspiel können die drei Muskelschichten ihre Aufgaben erfüllen. Dies geschieht normalerweise, ohne dass wir es bemerken. Oft wird uns erst bewußt was der Beckenboden leistet, wenn er bereits geschwächt ist. Dann muß der Beckenboden aktiv wieder trainiert und gestärkt werden, was mit etwas Geduld und den richtigen Übungen eigentlich recht einfach zu erreichen ist. Das Problem dabei ist allerdings, dass der Beckenboden eine Muskelschicht ist, die für uns nicht direkt zugänglich ist. Ob der Beckenboden angespannt oder entspannt ist, ist für uns so nicht sichtbar (im Gegensatz z.B. zu den Muskeln des Bewegungsapparates. Hier kann man die Muskelanspannung gut beobachten und sieht in der daraus resultierenden Bewegung auch deutlich einen Effekt.). Wir müssen uns oft erst wieder ein Bewußtsein für den Beckenboden erarbeiten. Dies kann durch spezielle Bewußtseinsübungen und durch den Einsatz bestimmter Reflexpunkte erreicht werden.


Für alle, die nun neugierig geworden sind und mehr über ihren Beckenboden wissen und ihn besser kennen lernen wollen, möchte ich folgende Bücher empfehlen:

"Die innere Kraft der Frau - Beckenboden und Bauchtanz" von Gaby Mardshana Oeftering
Dieses Buch überzeugt vor allem durch seine sehr übersichtliche und gut verständlichen Darstellung des Beckenbodens, seiner Funktion und wie man ihn erspüren kann sowie durch praktische Tips für einen "beckenbodengerechten"Alltag. Nach einem Gymnastikteil, der sowohl typische Beckenbodenübungen als auch Übungen für die angrenzende Muskulatur enthält, folgt ein Kapitel über den "tanzenden Beckenboden", in dem einfache Bewegungen des orientalischen Tanzes und ihre Auswirkungen auf den Beckenboden (bzw. auch die Auswirkungen des Beckenbodens auf die jeweilige Bewegung) erklärt werden.


"Beckenbodentraining" von Susanne Kitchenham und Annette Bopp; erschienen im TRIAS-Verlag
Dieses Buch enthält ebenfalls eine sehr gute Darstellung des Beckenbodens, seiner Funktionen und wie man ihn erspüren kann. Danach folgen Kapitel zum Beckenboden in der Schwangerschaft und bei der Geburt, Beckenboden in den ersten Monaten nach der Geburt, Beckenbodenbeschwerden sowie ein Kapitel über aufbauende Beckenbodengymnastik.

 

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